
Stand: 20.10.2026
Die Waschmaschine gibt den Geist auf, das Auto braucht eine Reparatur, das Smartphone fällt runter: Solche Überraschungen kosten schnell mehrere hundert Euro. Wer dafür keine Reserve hat, rutscht in den Dispokredit oder muss teure Ratenkredite aufnehmen. Genau dafür gibt es den Notgroschen, auch Notfallrücklage oder Liquiditätsreserve genannt: Geld, das sofort verfügbar ist und nur für echte Notfälle gedacht ist.
Die Verbraucherzentrale nennt als Daumenregel zwei bis drei Monatsgehälter. Die BaFin formuliert es in ihrem Einmaleins der Geldanlage ähnlich: Als Faustregel für die Höhe der sofort verfügbaren Geldreserve werden von Expertinnen und Experten häufig drei Monatseinkommen genannt. Beides ist bewusst eine Orientierung, kein Gesetz. Wie groß deine Reserve tatsächlich sein sollte, hängt von deiner Situation ab.
Drei Fragen helfen bei der Einordnung: Wie stabil ist dein Einkommen? Angestellte mit sicherem Gehalt kommen eher mit zwei Monatsausgaben aus, Selbstständige mit schwankendem Einkommen brauchen eher mehr, wie die Verbraucherzentrale anmerkt. Wie hoch sind deine Fixkosten? Entscheidend ist weniger das Gehalt als der Betrag, den du im Notfall pro Monat wirklich brauchst. Und: Gibt es absehbare große Ausgaben, etwa eine anstehende Pflegesituation oder alte Geräte, die bald ersetzt werden müssen?
| Nettoeinkommen pro Monat | Reserve (2 Monate) | Reserve (3 Monate) |
|---|---|---|
| 1.800 € | 3.600 € | 5.400 € |
| 2.500 € | 5.000 € | 7.500 € |
| 3.500 € | 7.000 € | 10.500 € |
Beispielrechnung zur Faustregel. Maßgeblich ist, womit du dich absicherst und wohlfühlst, nicht eine exakte Zahl.
Nicht unters Kopfkissen und nicht ins Depot. Die Reserve muss zwei Bedingungen erfüllen: schnell verfügbar und wertstabil. Das Standardinstrument ist das Tagesgeldkonto: Du kommst jederzeit ran, die Überweisung auf das Referenzkonto (in der Regel dein Girokonto) dauert üblicherweise einen Bankarbeitstag, und es gibt einen kleinen Zins obendrauf. Auch die BaFin nennt Spar- und Tagesgeldkonten als geeignete Notfallrücklagen und warnt zugleich: Selbst bei sofort kündbaren Produkten kann es dauern, bis das Geld verfügbar ist.
Ungeeignet sind Aktien und Fondsanteile. Ihr Wert schwankt, und genau wenn du das Geld brauchst, kann der Kurs unten sein. Die BaFin warnt davor, in die Situation zu kommen, Wertpapiere verkaufen zu müssen, die sich gerade in einem Kurstief befinden.
Die Reserve ist kein zweites Girokonto. Ein Notfall ist ungeplant, nötig und kann nicht warten: die defekte Waschmaschine, die Autoreparatur, das Eigenanteil bei einer Zahnersatzbehandlung, der Einkommensausfall durch Krankheit oder Jobverlust. Kein Notfall ist der Sale im Lieblingsgeschäft, der Urlaub oder die neue Spielekonsole. Wer die Grenze unscharf zieht, hat im Ernstfall keine Reserve mehr. Ein einfacher Test: Hättest du die Ausgabe vor drei Monaten planen können? Dann gehört sie ins Budget, nicht an den Notgroschen.
Dafür ist sie da. Nach dem Notfall gilt nur eines: sofort wieder anfangen, die Reserve aufzufüllen. Behandle die Wiederauffüllung wie eine feste Rate im Budget, bis der Zielbetrag wieder erreicht ist. Viele richten dafür einen Dauerauftrag vom Giro- auf das Tagesgeldkonto ein, direkt nach dem Gehaltseingang. So wird die Reserve nicht von dem abhängig, was am Monatsende zufällig übrig bleibt.
Guthaben auf Tagesgeld- und Girokonten gehören zu den bankeigenen Einlagen und fallen unter die gesetzliche Einlagensicherung: 100.000 Euro pro Kunde und Bank, im Europäischen Wirtschaftsraum einheitlich geregelt. Details dazu erklärt der Artikel Einlagensicherung einfach erklärt.
Die meisten können nicht auf einen Schlag drei Monatseinkommen zurücklegen. Der pragmatische Weg ist eine feste monatliche Rate. Die Verbraucherzentrale zeigt das am Beispiel einer Auszubildenden, die rund fünf Prozent ihres Nettoeinkommens plus ein Drittel von Geldgeschenken und Sonderzahlungen zurücklegt. Bei 2.500 Euro netto und einer Rate von 200 Euro im Monat dauert der Aufbau einer 5.000-Euro-Reserve etwas über zwei Jahre. Wichtig dabei: Die Rate so wählen, dass du das Konto nicht überziehst. Dispozinsen machen jedes Sparvorhaben zunichte, denn der Dispokredit gehört zu den teuersten Krediten überhaupt.
Hast du teure Kredite laufen, steht die Tilgung meist vor dem weiteren Sparen: Kreditzinsen übersteigen häufig die Erträge sicherer Anlagen, schreibt die BaFin. Die Verbraucherzentrale ergänzt: Konsumentenkredite kannst du jederzeit zurückzahlen, wobei die Bank bis zu 1 Prozent der Restschuld als Vorfälligkeitsentschädigung verlangen kann, wenn die Restlaufzeit über ein Jahr liegt, sonst 0,5 Prozent. Prüfe deinen Vertrag.
Eine kleine Barreserve für den Fall, dass Kartenzahlung oder Geldautomaten einmal nicht funktionieren, ist sinnvoll. Die gesamte Notfallreserve gehört aber nicht in die Schublade: Bargeld ist weder verzinst noch gegen Verlust oder Diebstahl abgesichert. Auf dem Konto ist es geschützt und jederzeit per Überweisung verfügbar.
Die Faustregel ist kein Naturgesetz. Wer wenig verdient, für den sind drei Monatseinkommen eine hohe Hürde; dann zählt jeder angelegte Puffer, auch ein halber Monatsbetrag hilft. Umgekehrt kann es Gründe für mehr Reserve geben, etwa ein unsicheres Arbeitsverhältnis oder eine Familie mit einem einzigen Einkommen. Und bedenke: Geld auf dem Tagesgeldkonto verliert durch Inflation über die Jahre an Kaufkraft. Der Notgroschen ist Sicherheit, keine Geldanlage. Für das, was darüber hinausgeht, lohnt der Blick auf die Unterschiede zwischen Sparen und Anlegen.
Grundlage ist ein aufgeräumtes Haushaltsbudget. Was deine Reserve an Zinsen bringt und wie diese besteuert werden, erklärt Zinsen versteuern – die Basics.
Dieser Text ist ein Bildungsangebot und keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung.
Technisch ja, praktisch ist ein separates Tagesgeldkonto besser: Das Geld ist schnell verfügbar, aber nicht bei jedem Einkauf sichtbar und verfügbar. So bleibt die Reserve für echte Notfälle reserviert.
Nein, das ist eine Faustregel. Verbraucherzentrale und BaFin nennen zwei bis drei Netto-Monatseinkommen als Orientierung. Bei schwankendem Einkommen oder besonderen Risiken kann mehr sinnvoll sein, bei sehr stabiler Lage reicht manchen weniger.
Davon raten Verbraucherzentrale und BaFin ab. Kurse schwanken, und ausgerechnet in einer Krise müsstest du dann möglicherweise mit Verlust verkaufen. Die Reserve soll wertstabil und sofort verfügbar sein.
Das Konto, über das Ein- und Auszahlungen auf dein Tagesgeldkonto laufen, üblicherweise dein Girokonto. Die Überweisung dorthin dauert in der Regel einen Bankarbeitstag.