
Stand: 26.10.2026, Abend
Jahrzehntelang lautet die Richtung: Geld fließt ins Depot. Mit dem Ruhestand kehrt sie sich um - du entnimmst regelmäßig, und das Depot soll trotzdem möglichst lange tragen. Diese Umstellung hat es in sich: Beim Entnehmen verkaufst du Anteile, egal wo der Kurs gerade steht. Genau daraus entsteht das Sequenzrisiko, dem ein eigener Artikel in diesem Pfad gewidmet ist. Eine Entnahmestrategie beantwortet drei Fragen: Wie viel nimmst du pro Jahr, wie passt du den Betrag an und wie reagierst du, wenn der Markt schwankt?
Erstens die feste Entnahmerate: Du legst einen Prozentsatz des Startvermögens fest und erhöhst den Betrag höchstens um die Inflation. Planbar, aber starr. Zweitens die regelbasierte, dynamische Entnahme: Der Betrag hängt vom aktuellen Depotstand ab, etwa ein fester Prozentsatz des jeweiligen Jahreswerts, oder er folgt Leitplanken - nach starken Jahren etwas mehr, nach schwachen etwas weniger. Flexibler, aber dein Einkommen schwankt mit. Drittens der Kapitalerhalt: Du entnimmst nur, was an Ausschüttungen und Erträgen anfällt, und rührst die Substanz nicht an. Konservativ, erfordert aber ein entsprechend großes Vermögen oder bescheidene Entnahmen.
Die bekannteste Zahl der Entnahme-Forschung stammt aus den USA: Der Finanzplaner Bill Bengen untersuchte Mitte der 1990er-Jahre historische Aktien- und Anleihedaten und fragte, welche anfängliche Entnahmerate ein gemischtes Portfolio in der Vergangenheit über rund 30 Jahre getragen hätte. Ergebnis: Etwa 4 Prozent des Startvermögens im ersten Jahr, danach inflationsangepasst, hätten historisch selbst schwere Abschwünge überstanden; in keinem der untersuchten historischen Fälle war das Depot vor 33 Jahren leer. In der Fachdiskussion bewegen sich die genannten Raten je nach Annahmen zwischen etwa 3 und 5 Prozent. Wichtig ist die Einordnung: Das ist ein Rückblick auf US-Marktdaten, kein Gesetz und keine Zusage für die Zukunft. Steuern, Kosten, deine Anlagemischung und dein Horizont verändern die Rechnung - die Steuerseite behandelt der Artikel zu Entnahme und Steuern.
Vier Fragen strukturieren den Vergleich: Wie lange soll das Geld reichen - das Langlebigkeitsrisiko setzt den Rahmen. Wie wichtig ist dir ein stabiler Betrag gegenüber Anpassungsfähigkeit? Wie wird die Inflation im Ruhestand eingepreist? Und wie groß ist dein Puffer für schwache Marktphasen? Mit dem Entnahmeplan-Rechner kannst du eigene Annahmen durchspielen - als Rechnung mit deinen Zahlen, nicht als Prognose. Keine Anlageberatung.
Nein. Sie ist ein Forschungsergebnis auf Basis historischer US-Marktdaten und beschreibt, was in der Vergangenheit funktioniert hätte. Sie berücksichtigt weder deine Steuern und Kosten noch künftige Marktbedingungen. In der Fachdiskussion gelten je nach Annahmen auch 3 oder 5 Prozent als diskutabel - das zeigt, wie sehr die Zahl von den Voraussetzungen abhängt.
Bei der festen Entnahme orientiert sich der Betrag am Startvermögen und wird höchstens inflationsangepasst - planbar, aber starr. Bei der dynamischen Entnahme hängt der Betrag vom aktuellen Depotstand oder von Leitplanken ab - er kann steigen und fallen, reagiert aber auf die Marktlage.
Das hängt von deinem Planungshorizont ab, nicht von der durchschnittlichen Lebenserwartung allein. Die Hälfte der Menschen lebt länger als der Durchschnitt - deshalb plant man den Horizont üblicherweise mit Aufschlag. Die Hintergründe erklärt der Artikel zum Langlebigkeitsrisiko.