
Stand: 26.10.2026, Abend
Solange du nur ansparst und nichts entnimmst, ist die Reihenfolge der Jahresrenditen für das Endvermögen egal: Ob erst minus 20 Prozent und dann plus 25 Prozent oder umgekehrt - bei einer Einmalanlage kommt dasselbe heraus. Sobald du entnimmst, kippt die Logik. Du verkaufst in jedem Jahr Anteile. Fallen die Kurse früh, musst du für denselben Geldbetrag mehr Anteile abgeben - und genau diese Anteile fehlen später, wenn die Kurse sich erholen. Der Durchschnitt der Renditen sagt dir also nicht, wie deine Entnahmephase ausgeht. Die Reihenfolge entscheidet mit.
Folgendes Strukturbeispiel zeigt nur die Mechanik, ohne Steuern, Kosten und ohne Aussage über die Zukunft: Startvermögen 100.000 Euro, am Ende jedes Jahres werden 10.000 Euro entnommen. Fall A: Das erste Jahr bringt plus 25 Prozent, das zweite minus 20 Prozent. Dann stehen nach dem ersten Jahr 125.000 Euro im Depot, nach der Entnahme 115.000 Euro, nach dem zweiten Jahr 92.000 Euro. Fall B: dieselben beiden Renditen in umgekehrter Reihenfolge. Nach dem ersten Jahr 80.000 Euro, nach der Entnahme 70.000 Euro, nach dem zweiten Jahr 87.500 Euro. Gleiche Durchschnittsrendite, aber rund 4.500 Euro Unterschied - nur wegen der Reihenfolge. Über 25 oder 30 Jahre summiert sich dieser Effekt erheblich.
Der kritische Zeitraum sind die ersten Jahre der Entnahmephase: Dann ist das Depot am größten und ein früher Verlust entfernt die meisten Anteile dauerhaft aus der Rechnung. Die Entnahmeforschung zeigt an historischen US-Daten, dass selbst Rentenbeginne mitten in schwere Krisen - etwa zum Platzen der Technologieblase oder zur Finanzkrise 2008 - bei moderaten Entnahmeraten überraschend gut gealtert sind. Das beruhigt für die Vergangenheit, garantiert aber nichts für die Zukunft.
Vermeiden lässt sich das Sequenzrisiko nicht, dämpfen schon. Drei Ansätze sind üblich: ein liquider Puffer für ein bis zwei Jahresausgaben, damit du in schwachen Phasen nicht verkaufen musst; eine flexible Entnahme, die nach Verlustjahren vorübergehend weniger entnimmt; und eine vorsichtige Anfangsrate statt einer optimistischen. Alle drei kosten etwas - Sicherheit, Ertrag oder beides. Den Rahmen setzt die Übersicht der Entnahmestrategien, den Horizont das Langlebigkeitsrisiko. Keine Anlageberatung.
Nein, es ist untrennbar mit regelmäßigen Entnahmen aus schwankenden Anlagen verbunden. Du kannst seine Wirkung aber dämpfen: mit einem liquiden Puffer, mit flexiblen statt starren Entnahmen und mit einer vorsichtigen Anfangsrate.
In seiner scharfen Form nicht. Wer regelmäßig einzahlt, profitiert von niedrigen Kursen sogar, weil er mehr Anteile für dasselbe Geld bekommt. Erst wenn die Richtung umkippt und du regelmäßig verkaufst, dreht sich der Effekt um.
Ein liquider Puffer kann verhindern, dass du in einer Talsohle verkaufen musst - er dämpft also die Wirkung. Er ändert aber nichts am Grundmuster und kostet in der Regel Ertrag, weil der Puffer kaum verzinst ist.