
Dienstagmittag in Frankfurt: Der DAX gibt im Sog der erneuten Tech-Schwäche nach, während die heimische Quartalsaison ein kontrastreiches Bild liefert - Lufthansa steigert das operative Ergebnis trotz explodierender Spritkosten, Bayer hebt den Ausblick an, und Schaeffler kündigt ein tiefgreifendes Sparprogramm mit Tausenden Stellen an.
Der DAX notierte am Dienstagmittag (Kursstand 11:21:44 Uhr) bei 25.828,17 Punkten und damit 152,92 Zähler beziehungsweise 0,59 Prozent im Minus, wie die Kursübersicht der tagesschau (Xetra) zeigt. Es handelt sich um einen Intraday-Stand, nicht um einen Schlusskurs. Zum Vergleich: Am Montag war der Leitindex noch mit 25.981,09 Punkten (+0,63 Prozent, Kurszeit 17:50 Uhr) aus dem Handel gegangen. Der Ölpreis versuchte sich nach dem deutlichen Rutsch vom Vortag wieder zu erholen, wie aus den Marktberichten hervorgeht.
Die Lufthansa-Gruppe steigerte im dritten Quartal den Umsatz um neun Prozent auf 12,2 Milliarden Euro und das bereinigte Betriebsergebnis (Adjusted EBIT) um sechs Prozent auf 1,4 Milliarden Euro - und das, obwohl die Treibstoffkosten um 543 Millionen Euro über dem Vorjahr lagen, wie der Konzern mitteilte. Starke Nachfrage im Passagiergeschäft, Kostendisziplin sowie kräftige Beiträge von Lufthansa Cargo und Lufthansa Technik kompensierten die Belastung. Für das Gesamtjahr erwartet das Unternehmen wegen der hohen Kerosinpreise nun eine Treibstoffrechnung von 9,3 Milliarden Euro und präzisiert die Gewinnprognose auf ein Adjusted EBIT zwischen 1,7 und 2,0 Milliarden Euro - im Einklang mit den Kapitalmarkterwartungen, wie das Management betonte. Die Absicherungsquote für Kerosin liegt für 2026 bei rund 86 Prozent und für 2027 bereits bei über 60 Prozent. Die Nettoverschuldung einschließlich Pensionsverpflichtungen sank auf 7,3 Milliarden Euro.
Beim Automobilzulieferer Schaeffler wird der Umbau härter: Der Vorstand hat ein weiteres Ergebnisverbesserungsprogramm beschlossen, das netto 3.460 Stellen in Europa kostet - rund 2.660 davon in Deutschland, wie das Unternehmen aus Herzogenaurach mitteilte. Bezogen auf die Stammbelegschaft von 31.957 Mitarbeitern (Stand 30. September 2026) entspricht das etwa neun Prozent bis 2028; zusammen mit Altprogrammen und bereits vereinbarten 1.800 Altersteilzeitverträgen summiert sich der Abbau auf rund 18 Prozent. Fünf Standorte sollen perspektivisch geschlossen werden, darunter Dortmund (430 Beschäftigte) und Morbach (160); in Berlin werden die Aktivitäten eingestellt, ein Großteil der Belegschaft soll nach Frankfurt wechseln. Das Programm soll ab 2030 rund 300 Millionen Euro pro Jahr einsparen; der Einmalaufwand wird auf etwa 480 Millionen Euro beziffert und soll größtenteils noch 2026 als Rückstellung gebucht werden. Ergänzend ist ein "Solidaritätsbeitrag" geplant - ein temporärer freiwilliger Gehaltsverzicht, beginnend beim Vorstand. Als Grund nennt Schaeffler Überkapazitäten im Verbrenner-Umfeld; neue Wachstumsfelder sollen einen Teil der Stellen kompensieren.
Bayer meldete für das dritte Quartal einen Umsatzanstieg um 4,1 Prozent auf 10,05 Milliarden Euro (währungs- und portfoliobereinigt +1,9 Prozent) und ein EBITDA vor Sondereinflüssen von 1,62 Milliarden Euro (+6,9 Prozent). Das EBIT blieb mit minus 110 Millionen Euro wegen Abschreibungen (unter anderem 307 Millionen Euro auf die Marke Xofigo und 215 Millionen Euro auf Claritin) negativ, verbesserte sich aber deutlich gegenüber minus 543 Millionen im Vorjahr; der Konzernverlust verringerte sich auf 672 Millionen Euro. Konzernchef Bill Anderson erklärte den Wendepunkt im Pharmageschäft für erreicht - getrieben von den Wachstumsprodukten Nubeqa und Kerendia. Bayer hob den Ausblick für die Pharma-Marge, das Konzern-EBITDA vor Sondereinflüssen, den Free Cashflow und die Nettofinanzverschuldung an.
Mercedes-Benz übergibt sein europäisches Schnellladenetzwerk an den französischen Betreiber Electra: 47 Standorte mit 374 Schnellladepunkten wechseln den Besitzer, wie der Branchendienst electrive berichtet. Mercedes-Kunden sollen künftig vergünstigt bei Electra laden können. Erst vor etwa einem Jahr hatte der Konzern den Ausbau des eigenen Netzes angekündigt.
Hugo Boss hat heute die vollständigen Zahlen zum dritten Quartal vorgelegt, nachdem der Konzern am Vorabend die Jahresprognose gesenkt hatte (Umsatz währungsbereinigt hoch einstellig rückläufig, EBIT-Ziel 250 bis 300 Millionen Euro). Im Wochenverlauf folgen die Quartalsberichte von Fresenius (morgen Mittwoch, Telefonkonferenz 13:30 Uhr MEZ) und Rheinmetall (Donnerstag, 14:00 Uhr); am Freitag (14:30 Uhr deutscher Zeit) erscheint der offizielle US-Arbeitsmarktbericht für Oktober.
Unsere Einordnung: Drei DAX-Quartalsberichte, drei Richtungen: Lufthansa zeigt, dass robuste Reisenachfrage selbst eine halbe Milliarde Mehrkosten für Treibstoff auffangen kann. Bayer markiert nach Jahren der Belastungen eine operative Wende im Pharmageschäft. Schaeffler dagegen steht exemplarisch für die Strukturkosten der Automobilzulieferer - 3.460 Stellen und 480 Millionen Euro Einmalaufwand sind der Preis der Verbrenner-Transformation. Wer Zusammenhänge zu Zinsen, Kosten und Unternehmensergebnissen vertiefen will, findet Grundlagen in unserem Glossar. Die Kurse im Tagesverlauf stehen in der Rubrik Märkte, der Morgen-Überblick mit den Apple- und Palantir-Zahlen hier.
Schaeffler hat am 3. November 2026 ein weiteres Ergebnisverbesserungsprogramm angekündigt: Netto sollen 3.460 Stellen in Europa wegfallen, davon rund 2.660 in Deutschland - etwa neun Prozent der Stammbelegschaft bis 2028. Grund sind Überkapazitäten im Verbrennungsmotoren-Umfeld. Das Programm soll ab 2030 rund 300 Millionen Euro jährlich einsparen, der Einmalaufwand liegt bei etwa 480 Millionen Euro.
Lufthansa erwartet für 2026 ein bereinigtes Betriebsergebnis (Adjusted EBIT) zwischen 1,7 und 2,0 Milliarden Euro. Im dritten Quartal stieg das Adjusted EBIT um sechs Prozent auf 1,4 Milliarden Euro, obwohl die Treibstoffkosten um 543 Millionen Euro höher lagen; für das Gesamtjahr rechnet der Konzern mit einer Spritrechnung von 9,3 Milliarden Euro.