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Kursrisiko bei Anleihen: Warum steigende Zinsen Kurse drücken

Von der FA Redaktion · 20.10.2026, 08:30 Uhr · mit KI-Unterstützung erstellt und redaktionell geprüft wissen
Kursrisiko bei Anleihen: Warum steigende Zinsen Kurse drücken
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Anleihen gelten als der ruhige Teil der Geldanlage: fester Zins, feste Laufzeit, Rückzahlung zum Nennwert. Trotzdem kann eine Anleihe zwischen Kauf und Fälligkeit kräftig im Wert schwanken. Der Grund ist das Kursrisiko, und es folgt einer einfachen Logik, die du in zehn Minuten verstehst.

Wer eine Anleihe bis zum Ende hält und der Emittent zahlt, bekommt alles wie vereinbart. Wer vorher verkauft, bekommt den Tageskurs. Und der kann deutlich unter dem liegen, was du einst bezahlt hast. Dieser Artikel erklärt die Mechanik, rechnet ein Beispiel durch und zeigt, wann das Risiko für dich zählt und wann nicht.

Das Wichtigste in Kürze

Die Grundregel: Zins und Kurs laufen gegenläufig

Die Deutsche Finanzagentur, die die Bundesanleihen verwaltet, bringt es auf eine Formel: Steigt der Marktzins, fällt der Anleihekurs, sinkt der Marktzins, steigt der Anleihekurs. Auch die BaFin nennt das Zinsänderungsrisiko als eines der zentralen Risiken von Schuldverschreibungen.

Warum ist das so? Eine festverzinsliche Anleihe zahlt jedes Jahr denselben Betrag, den sogenannten Kupon. Der wurde bei der Ausgabe festgelegt und ändert sich nie mehr. Der Marktzins dagegen, also das Zinsniveau für neue, vergleichbare Anleihen, bewegt sich täglich. Er spiegelt laut Finanzagentur alle öffentlich verfügbaren Informationen und Erwartungen der Marktteilnehmer wider.

Ein Beispiel: Du hältst eine Anleihe mit 2 Prozent Kupon. Steigt der Marktzins auf 3 Prozent, gibt es neue Anleihen, die 3 Prozent zahlen. Dein Papier mit 2 Prozent ist plötzlich unattraktiv. Damit es jemand haben will, muss sein Preis fallen, und zwar genau so weit, bis die Verzinsung für den Käufer wieder etwa 3 Prozent beträgt. Umgekehrt wird deine 2-Prozent-Anleihe begehrt, wenn der Marktzins auf 1 Prozent fällt. Ihr Kurs steigt.

Rechenbeispiel: Was ein Zinspunkt ausmacht

Der faire Preis einer Anleihe ist der Barwert aller künftigen Zahlungen: die jährlichen Kupons plus die Rückzahlung am Ende, jeweils mit dem aktuellen Marktzins abgezinst. Abzinsen heißt: Eine Zahlung in zehn Jahren ist heute weniger wert als dieselbe Zahlung morgen, weil man Geld zwischenzeitlich verzinslich anlegen kann.

Modellrechnung mit einer Anleihe über 1.000 Euro Nennwert, 2 Prozent Kupon und zehn Jahren Restlaufzeit:

MarktzinsRechnerischer KursVeränderung
1 %1.094,71 €+9,5 %
2 %1.000,00 €0 %
3 %914,70 €−8,5 %

Rechenweg für den Fall 3 Prozent: Die zehn Kuponzahlungen von je 20 Euro haben abgezinst einen Wert von rund 170,60 Euro, die Rückzahlung von 1.000 Euro in zehn Jahren ist heute rund 744,10 Euro wert. Zusammen 914,70 Euro. Steigt der Marktzins von 2 auf 3 Prozent, verliert diese Anleihe also rechnerisch etwa 8,5 Prozent an Wert.

Bei 30 Jahren Restlaufzeit fällt der Effekt noch größer aus: Dieselbe Zinsänderung drückt den rechnerischen Kurs auf rund 804 Euro, ein Minus von fast 20 Prozent. Deshalb gelten lang laufende Anleihen als besonders zinsempfindlich.

Drei Faktoren, die den Effekt verstärken

Die Finanzagentur fasst die Faustformel so zusammen: Je länger die Restlaufzeit und je niedriger der Kupon, desto stärker reagiert der Kurs auf Änderungen des Marktzinses. Dahinter stehen drei Hebel:

Für die grobe Abschätzung nutzen Profis die sogenannte Duration, ein Maß für die durchschnittliche Kapitalbindungsdauer. Als Faustregel gilt: Eine Duration von 8 bedeutet, dass der Kurs um etwa 8 Prozent fällt, wenn das Zinsniveau um einen Prozentpunkt steigt. Die exakte Rechnung ist komplexer, die Richtung stimmt aber immer.

Wen betrifft das Kursrisiko wirklich?

Hältst du eine einzelne Anleihe bis zur Fälligkeit, kannst du die Kursschwankungen zwischendurch aussitzen: Zurückgezahlt wird zum Nennwert von 100 Prozent, wie die Finanzagentur für Bundesanleihen erklärt. Voraussetzung: Der Emittent bleibt zahlungsfähig, und du musst das Geld nicht zwischendurch brauchen.

Anders sieht es in drei Fällen aus:

Wie hoch das allgemeine Zinsniveau gerade liegt, kannst du an der Umlaufrendite ablesen, die die Bundesbank täglich für börsennotierte Bundeswertpapiere veröffentlicht. Sie zeigt die tatsächliche jährliche Verzinsung im Gegensatz zum Nominalzins. Die Bundesbank veröffentlicht dazu auch die Zinsstrukturkurve, also die Zinssätze nach Laufzeit.

Grenzen und Risiken

Unsere Modellrechnung ist vereinfacht: Sie ignoriert Stückzinsen, Gebühren und Steuern und rechnet mit flachen Zinssätzen statt mit der echten Zinsstrukturkurve. Kurse an der Börse weichen davon ab, weil auch Liquidität und Erwartungen eine Rolle spielen. Vergangene Kursentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige.

Das Kursrisiko ist nur eines von mehreren Risiken einer Anleihe. Das Emittentenrisiko, also die Frage, ob der Schuldner überhaupt zahlen kann, bewertest du getrennt über die Bonität. Für Schuldverschreibungen gibt es anders als bei Bankeinlagen keine Einlagensicherung.

Stand: 20.10.2026. Alle Quellen wurden am 20.10.2026 abgerufen. Dieser Text ist Bildung und Einordnung, keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung.

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Häufige Fragen

Was ist das Kursrisiko bei Anleihen?

Das Risiko, dass der Börsenkurs einer Anleihe während der Laufzeit fällt, vor allem wenn das allgemeine Zinsniveau steigt. Wer bis zur Fälligkeit hält und der Emittent zahlt, bekommt trotzdem 100 Prozent des Nennwerts zurück.

Warum fällt der Anleihekurs, wenn die Zinsen steigen?

Neue Anleihen zahlen dann höhere Kupons. Alte Anleihen mit niedrigerem Kupon werden unattraktiv und müssen im Preis fallen, bis ihre Verzinsung wieder zum Marktzins passt.

Verschwindet das Kursrisiko, wenn ich bis zum Ende halte?

Im Ergebnis ja: Zurückgezahlt wird zum Nennwert, sofern der Emittent zahlungsfähig bleibt. Das Risiko bleibt aber sichtbar, wenn du vorher verkaufen musst oder über einen Anleihefonds investiert bist.

Was ist der Unterschied zwischen Kupon und Rendite?

Der Kupon ist der fest vereinbarte Zinssatz auf den Nennwert. Die Rendite ist die tatsächliche jährliche Verzinsung auf den gezahlten Kurs. Wer unter 100 Prozent kauft, erzielt eine höhere Rendite als der Kupon.

Quellen: BaFin: Anleihen auf einen Blick (abgerufen am 20.10.2026) · Deutsche Bundesbank: Umlaufsrenditen (abgerufen am 20.10.2026) · Deutsche Bundesbank: Zinsstruktur am Rentenmarkt (abgerufen am 20.10.2026) · Deutsche Finanzagentur: Bundesanleihen (abgerufen am 20.10.2026) · EZB: Warum und wie wir die Leitzinsen ändern (abgerufen am 20.10.2026)
Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und Einordnung. Er ist keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Kursdaten können verzögert oder fehlerhaft sein. Mehr dazu im Risikohinweis.