
Ein Mal pro Zentralbank-Sitzung ist er in allen Schlagzeilen: der Leitzins. Heute, am Tag der EZB-Entscheidung, ist er wieder überall. Zeit zu klären, was der Begriff eigentlich bedeutet.
Leitzinsen sind Zinssätze, die eine Zentralbank festlegt. Zu diesen Konditionen können sich Geschäftsbanken kurzfristig Geld bei der Zentralbank leihen oder dort Geld anlegen. Sie sind das zentrale Instrument der Geldpolitik: Über die Kreditkosten der Banken wirken sie auf Kredite, Investitionen und Konsum in der gesamten Wirtschaft.
Bei der EZB gibt es drei Leitzinsen: die Einlagefazilität (Zins für Geld, das Banken über Nacht bei der Zentralbank parken; aktuell 2,50 Prozent), die Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Zins für wöchentliche Kredite der EZB an Banken gegen Sicherheiten; aktuell 2,65 Prozent) und die Spitzenrefinanzierungsfazilität (Zins für sehr kurzfristige Über-Nacht-Kredite; aktuell 2,90 Prozent). Alle Werte gelten seit dem 16. September 2026, Stand der offiziellen EZB-Leitzinsseite. Wenn in den Nachrichten von "dem Leitzins" die Rede ist, ist meist der Hauptrefinanzierungssatz gemeint - oder in den USA der Zielkorridor des Federal Funds Rate, den die Fed aktuell bei 3,75 bis 4,0 Prozent hält.
Ein einfaches, frei erfundenes Zahlenbeispiel zur Veranschaulichung: Angenommen, ein Kredit über 100.000 Euro orientiert sich direkt an einem Zinssatz. Bei 3 Prozent fallen 3.000 Euro Zinsen im Jahr an, bei 2 Prozent 2.000 Euro - ein Unterschied von 1.000 Euro pro Jahr allein durch einen Prozentpunkt. So stark kann ein einziger Punkt wirken, wenn er sich von der Zentralbank über Banken bis zu Krediten und Sparzinsen durchreicht.
Leitzinsen wirken in beide Richtungen: Steigen sie, werden Kredite - etwa für Immobilien - tendenziell teurer, während Sparzinsen steigen können. Sinken sie, dreht sich die Wirkung um. Der Leitzins ist damit kein Kursziel und keine Empfehlung, sondern die Stellschraube, an der Zentralbanken ihre Geldpolitik ablesen lassen.
Einlagefazilität 2,50 Prozent, Hauptrefinanzierung 2,65 Prozent, Spitzenrefinanzierung 2,90 Prozent - jeweils seit dem 16. September 2026 (offizielle EZB-Leitzinsseite).
Der Einlagensatz gilt für Geld, das Banken über Nacht bei der Zentralbank anlegen. Der Hauptrefinanzierungssatz ist der Preis für wöchentliche Kredite der Zentralbank an die Banken. Er liegt regelmäßig über dem Einlagensatz.