
Wer eine Aktie kauft, erwirbt mehr als einen Kurszettel: einen Anteil an einem Unternehmen. Das Aktiengesetz definiert die Aktie in § 12 als Mitgliedschaft, und aus dieser Mitgliedschaft erwachsen konkrete Rechte, aber auch Pflichten. Viele Anleger kennen nur die Dividende. Dabei gehört zum Aktionärsein deutlich mehr, vom Stimmrecht bis zum Auskunftsrecht auf der Hauptversammlung. Dieser Überblick zeigt, welche Rechte du hast, welche Pflichten bestehen und wo die Grenzen liegen.
Stand: 20.10.2026
Das Wichtigste in Kürze
Das bekannteste Recht ist der Anspruch auf Gewinnbeteiligung. Nach § 60 AktG haben die Aktionäre Anspruch auf den Bilanzgewinn, soweit er nicht anderweitig verwendet wird; Hauptversammlung und Satzung entscheiden über die Ausschüttung. Es gibt keinen Rechtsanspruch auf eine bestimmte Dividendenhöhe, und ein Unternehmen kann die Dividende auch aussetzen, etwa in Verlustjahren.
Bei Kapitalerhöhungen steht dir nach § 186 AktG ein Bezugsrecht zu: Du kannst neue Aktien im Verhältnis deines bisherigen Anteils erwerben, damit dein prozentualer Anteil nicht verwässert. Die Bezugsfrist muss mindestens zwei Wochen betragen. Ein Rechenbeispiel: Eine Aktie notiert bei 100 Euro, neue Aktien werden zu 80 Euro im Verhältnis 5:1 ausgegeben. Der rechnerische Wert des Bezugsrechts liegt bei (100 - 80) geteilt durch (5 + 1), also etwa 3,33 Euro je alter Aktie. Wer sein Bezugsrecht nicht ausüben will, kann es in der Regel über die Börse verkaufen.
Wird eine Gesellschaft aufgelöst, haben Aktionäre Anspruch auf ihren Anteil am Liquidationserlös. In der Praxis bleibt nach der Bedienung aller Gläubiger meist wenig oder nichts übrig; die Aktionäre stehen in der Rangfolge ganz hinten.
Aus der Mitgliedschaft folgt nach § 12 AktG das Stimmrecht. Eine Stückaktie entspricht grundsätzlich einer Stimme; Vorzugsaktien ohne Stimmrecht sind die bekannte Ausnahme. Ausgeübt wird das Stimmrecht auf der Hauptversammlung, die nach § 118 AktG mindestens einmal jährlich stattfindet und unter anderem über die Gewinnverwendung, die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat und die Wahl der Aufsichtsratsmitglieder entscheidet.
Wer nicht selbst zur Hauptversammlung fahren will, kann sein Stimmrecht per Vollmacht übertragen, etwa auf die depotführende Bank oder auf Aktionärsvereinigungen, die gebündelt abstimmen. Viele Gesellschaften bieten zudem Briefwahl oder virtuelle Formate an. Auf der Hauptversammlung hast du außerdem ein Auskunftsrecht: Nach § 131 AktG muss der Vorstand jedem Aktionär auf Verlangen Auskunft über Angelegenheiten der Gesellschaft geben, soweit sie zur sachgemäßen Beurteilung eines Tagesordnungspunkts erforderlich ist.
Die Hauptversammlung kündigt sich automatisch an: Börsennotierte Gesellschaften laden mindestens 30 Tage vorher ein, und deine depotführende Bank leitet die Einladung in der Regel elektronisch in dein Online-Depot weiter. Dort findest du die Tagesordnung mit allen Beschlusspunkten, die Gegenanträge anderer Aktionäre und die Abstimmungsmöglichkeiten. Willst du selbst teilnehmen, brauchst du eine Eintrittskarte, die du über die Bank bestellst; viele Gesellschaften übertragen die Hauptversammlung zusätzlich live im Internet.
Für die Abstimmung ohne Anwesenheit gibt es drei gängige Wege: die Weisung an die Bank, die als Stimmrechtsvertreter nach deinen Vorgaben abstimmt, die Vollmacht an Aktionärsvereinigungen wie die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, oder die direkte Briefwahl, sofern die Gesellschaft sie anbietet. Bei allen drei Wegen gibst du pro Tagesordnungspunkt eine Ja-, Nein- oder Enthaltungsweisung ab. Deine Dividende dagegen bekommst du ohne eigenes Zutun: Sie wird automatisch auf dein Verrechnungskonto gebucht, abzüglich der anfallenden Steuern.
Die zentrale Pflicht des Aktionärs ist die Leistung der Einlage, also die Zahlung des Kaufpreises beziehungsweise des Ausgabebetrags. Danach haftest du nicht weiter: Eine Nachschusspflicht, bei der du später zusätzliches Geld einschießen müsstest, gibt es bei börsennotierten Aktien nicht. Dein Risiko ist auf den Einsatz begrenzt. Bei Namensaktien kommen Registerpflichten hinzu: Du bist im Aktienregister eingetragen und musst Änderungen deiner Angaben melden, um Einladungen und Auszahlungen zu erhalten. Keine Pflicht besteht dagegen, dein Stimmrecht zu nutzen; Nichtabstimmen ist ebenfalls eine legitime Entscheidung.
Nicht jede Aktie bringt dieselben Rechte mit. Stammaktien tragen das volle Stimmrecht; Vorzugsaktien verzichten in der Regel darauf und bieten dafür einen Vorzug bei der Dividende, etwa einen vorrangigen Mindestbetrag, sofern ein Bilanzgewinn vorliegt. Fällt der Vorzug in einem Jahr aus, holen die Vorzugsaktionäre ihn in späteren Jahren nach, bevor die Stammaktionäre wieder etwas erhalten. Ob eine Gesellschaft beide Gattungen ausgegeben hat, steht in der Satzung und im Aktienprofil. Auch die Übertragungsform spielt eine Rolle: Inhaberaktien gehen durch einfachen Depotübertrag, Namensaktien nur mit Eintragung ins Aktienregister.
Viele Kleinaktionäre unterschätzen, dass ihre Rechte auch dann gelten, wenn sie nur wenige Stücke halten: Eine einzige Aktie reicht für Einladung, Auskunftsrecht und Dividende. Trotzdem bleibt der tatsächliche Einfluss klein, weil Beschlüsse mit Stimmenmehrheit gefasst werden. Wer Gewicht haben will, bündelt Stimmen über Aktionärsvereinigungen oder Dachverbände, die bei umstrittenen Beschlusspunkten gezielt Gegenanträge prüfen und vertreten.
Rechte schützen nicht vor wirtschaftlichen Verlusten. Stimmrecht und Auskunftsrecht verhindern weder Kursverluste noch eine schlechte Unternehmensentwicklung, und Kleinaktionäre haben einzeln kaum Einfluss auf Mehrheitsentscheidungen. Das Bezugsrecht mindert die Verwässerung nur, wenn du es ausübst oder verkaufst; versäumst du beides, verfällt es wertlos. Und die Dividende ist, wie beschrieben, keine feste Größe. Rechte zu kennen ersetzt also nicht die Auseinandersetzung mit den Risiken von Aktien.
Dieser Text ist ein Bildungsangebot und keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung.
Du hast Anspruch auf Gewinnbeteiligung nach § 60 AktG, aber nicht auf eine bestimmte Höhe. Hauptversammlung und Satzung entscheiden über die Ausschüttung, und ein Unternehmen kann die Dividende aussetzen.
Nein. Du kannst per Vollmacht abstimmen lassen, etwa durch deine Bank oder Aktionärsvereinigungen, und viele Gesellschaften bieten Briefwahl oder virtuelle Hauptversammlungen an.
Nein. Deine Pflicht beschränkt sich auf die Zahlung des Kaufpreises beziehungsweise Ausgabebetrags. Danach haftest du nicht mit weiterem Vermögen; dein Risiko ist auf den Einsatz begrenzt.
Dann verwässert dein Anteil am Unternehmen. In der Regel kannst du das Bezugsrecht über die Börse verkaufen. Versäumst du beides innerhalb der mindestens zweiwöchigen Frist, verfällt es wertlos.